Meine Mutter erzählte mir während meiner schwierigen Zweifelsphase eine Geschichte über ein kleines Mädchen und einer Schlange. Diese hat mir damals viel Klarheit gebracht. Ich möchte sie euch nun in einer ausführlicheren Form erzählen.

Schlange„Es war einmal ein kleines unschuldiges Mädchen, ihr stand die ganze Welt noch bevor. Sie war noch so jung und musste noch viele Dinge lernen. Eines Mittags lief sie verträumt an einem Feldweg entlang und sang dabei ihr Lieblingslied. Unabsichtlich trat sie dabei auf eine kleine Schlange und diese war sofort verletzt. „Die arme Schlange“, dachte sich das Mädchen, „hätte ich doch nur besser aufgepasst.“ Voller Schuldgefühle nahm sie die Schlange vorsichtig, legte sie in ihren Rucksack und ging nach Hause. Sie machte sich auf dem Weg viele Gedanken, wie sie es der kleinen Schlange wohl am gemütlichsten gestalten könnte. Voller Vorfreude, kamen ihr gleich ganz viele Ideen. 

Als sie zu Hause ankam und ihren Rucksack öffnete, sprang die Schlange sofort raus und biss sie in die kleinen zarten Hände und kroch davon. – Babyschlangen können ihr Gift noch nicht dosieren, sie pumpen bei einem Biss ihr gesamtes Gift in das Opfer, was viel gefährlicher ist, als bei einer ausgewachsenen Schlange. – Die Schmerzen in der Hand, was sich inzwischen im ganzen Arm verteilt hat, wird immer schlimmer. Das kleine Mädchen schaffte es nicht und starb, bevor ihre Eltern von der Arbeit nach Hause kamen. Sofort nahm die Mutter ihre Kleine in die Arme und schrie vor Trauer und Schmerz. „Meine Kleine, weshalb nimmst du eine Schlange mit nach Hause.“

Und was sagt uns diese Geschichte nun? Das kleine Mädchen hatte Schuldgefühle, weil sie der Schlange wehgetan hat und wollte es wieder gut machen. Sie war noch zu jung, um zu wissen, dass es eine Giftschlange ist. Wenn man älter wird, weiß man automatisch, dass man Schlangen nicht zu nahe kommen sollte – es sei denn man ist ein Profi in dem Gebiet. Die Schlange hätte ihre Verletzung schon heil überstanden irgendwann. Doch für dieses Mädchen kommt jede Lektion zu spät.

Man sollte immer ganz genau einschätzen, was man für eine Wiedergutmachung opfern möchte und sollte dabei NIE zu viel Opfer eingehen, was es nicht wert ist. Manchmal kannst du Menschen einfach nicht verändern. Ich will damit jetzt nicht sagen, dass dir alle Leute, die zum „Opfer“ deiner Fehler werden egal sein sollten, aber manches liegt einfach nicht in deiner Macht. Die Person wird entweder deine Absicht zur Verzeihungsbitte erkennen oder er wird es nie einsehen, dass es dir wirklich Leid tut, da muss man auch nicht weiterhin seine Zeit verschwenden. Denn du lebst nur für dich selbst! Nicht für jemand anderen.